Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Müdigkeit. Die Ursachen des Fatigue-Syndroms sind noch nicht eindeutig geklärt und auch die Diagnose gestaltet sich oft schwierig. Tatsache ist aber auch: Eine Reihe einfacher und natürlicher Maßnahmen bringt für Betroffene vielfach Linderung bei chronischer Erschöpfung, wie etwa Massagen, gezielte Ernährung oder Yoga.
Chronisch erschöpft? Ursachen & Symptome des Fatigue-Syndroms
Das Chronische Fatigue-Syndrom wird in der Fachsprache auch als ME/CFS oder als Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome bezeichnet. „Fatigue“ ist französisch und bedeutet Erschöpfung. Obwohl es diese multisystemische Erkrankung bereits länger gibt, konnten die genauen Ursachen dafür bis heute nicht vollständig geklärt werden. Ein typisches Symptom ist eine äußerst lang anhaltende Müdigkeit, bei der weder Schlaf noch Ruhephasen Abhilfe schaffen. Außerdem klagen Betroffene über ein ständiges Gefühl der Schwäche, der Kraftlosigkeit sowie auch über mangelnde Motivation und Antriebslosigkeit. Eine vorzeitige Ermüdung tritt meist bereits bei einfachen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens auf, wie zum Beispiel Behördenwegen oder Einkaufen, worunter die Lebensqualität wiederum extrem leiden kann. Laut einer Studie der MedUni Wien leiden bis zu 80.000 Menschen in Österreich am Chronischen Fatigue-Syndrom, wobei sich die Zahl durch Covid-19 in den nächsten Jahren verdoppeln könnte. Rund 60 Prozent der Betroffenen können aufgrund der Krankheitssymptome keiner geregelten Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Ein Viertel der Patient:innen ist sogar dauerhaft ans Bett gebunden.
Klassische Therapiemethoden – wie das Fatigue-Syndrom behandelt wird
Die Diagnose gestaltet sich als äußerst schwierig, weil die Erkrankung sehr unterschiedliche Ausprägungen zeigt und die Forschung noch keine messbaren Parameter – im Fachjargon spricht man von so genannten Biomarkern – ausmachen konnte, die eindeutig auf die Krankheit hinweisen. Wissenschafter:innen gehen davon aus, dass die Erkrankung möglicherweise aus einer Kombination aus genetischen, immunologischen sowie umweltbedingten Faktoren entsteht. Ein Team von Wissenschafter:innen an der MedUni Wien erforscht etwa die Zusammenhänge des Fatigue-Syndroms mit Störungen des Immunsystems sowie der Barrierefunktion des Darms. Andere mögliche Ursachen sieht die Medizin beispielsweise auch in chronischem Eisenmangel. Nicht selten tritt das Fatigue-Syndrom als Begleiterkrankung zu Infektionen oder auch psychischen Belastungen auf, was Diagnose und Behandlung weiter erschwert. Ein dauerhafter Erschöpfungszustand, der oft über Jahre hinweg Körper und Psyche belastet, kann im Übrigen auch während der Behandlung einer Krebserkrankung auftreten. Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankungen werden Therapieschwerpunkte meist auch individuell an Patient:innen angepasst. Klassische Behandlungsmethoden sind beispielsweise sanftes Ausdauertraining wie Soft Walking sowie Ergotherapie. Gute Erfolge werden auch mit Gedächtnistrainings erzielt, um die kognitiven Fähigkeiten auf Trab zu halten. Vielfach kommt auch Lichttherapie zum Einsatz. Dabei wird die Zirbeldrüse mit eigenen Lampen mit sehr hellem, weißem Licht gezielt aktiviert, wodurch speziell depressive Verstimmungen und Interesselosigkeit behandelt werden. Darüber hinaus kann es helfen, Tagesabläufe möglichst geregelt zu gestalten, entsprechend anzupassen und einer Überforderung gegenzusteuern. Eine schwere Fatigue kann allerdings die Berufsfähigkeit beeinträchtigen. Eine medikamentöse Behandlung ist mitunter schwierig, weil es noch kein spezielles Medikament gibt, das die Fatigue-Symptome lindert. Antidepressiva oder auch Amphetamine helfen laut den Erfahrungen von Ärzt:innen gewöhnlich nicht.

Linderung mit Yoga, Massagen & bewusster Ernährung
Viele Betroffene erfahren auch durch alternative Behandlungsmethoden eine deutliche Symptom-Linderung. So setzen naturheilkundliche Verfahren zum Beispiel auf Bürstenmassagen. Dabei werden Arme und Beine von den Füßen bzw. den Händen weg in Richtung Körpermitte mit kreisenden Bewegungen gebürstet. Die mechanischen Reize des Bürstens sollen die Durchblutung fördern, Stresshormone abbauen und den Kreislauf anregen. Besonders bewährt haben sich Tiefengewebsmassagen, die den Körper intensiv lockern, oder auch Lymphdrainagen, bei denen die Entschlackung angeregt wird. Yoga als Dauerbrenner unter den Entspannungstechniken hat auch in der Fatigue-Linderung seinen festen Platz. Wichtig bei chronischer Erschöpfung ist, dass die Übungen nicht zu anstrengend sind, sondern den Körper langsam wieder in Bewegung setzen. Yoga steigert bekanntlich die Flexibilität, baut innere Unruhe ab und hilft dabei, die Energiezentren im Körper zu aktivieren. Auch mit der chinesischen Meditationsform Qigong kann der allgemeine Energielevel deutlich verbessert werden. Dabei werden Atmung und Bewegung miteinander verbunden, um zur inneren Balance zu finden. Neben einem individuell abgestimmten Bewegungsprogramm sollten Betroffene auf einen bewussten Ernährungsstil achten. Molekularbiolog:innen aus dem Bereich der Mikrobiomforschung haben herausgefunden, dass Fatigue-Betroffene häufig auch eine gestörte Darmflora haben. Entsprechend sollte die Ernährung so angepasst werden, dass sich der Darm möglichst sanieren kann: zum Beispiel mit mehr Ballaststoffen, mehr ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sowie hochwertigen Proteinen. Diese finden sich etwa in Hülsenfrüchten, Samen und Nüssen. Frisches Obst und Gemüse versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen. Mineralstoffe wie Eisen, Folsäure oder auch Magnesium können Müdigkeitssymptome lindern. Lebensmittel, die dem Körper Energie rauben, sollten hingegen gemieden werden. Dazu zählen insbesondere kurzkettige Kohlenhydrate, Transfette, Süßigkeiten, Alkohol sowie verarbeitetes Fleisch bzw. Wurstwaren.