Stress, Ernährung oder Schlafmangel: Was den Menstruationszyklus aus dem Gleichgewicht bringt und wie kleine Veränderungen helfen, deine Gesundheit zu stärken.
Endlich wird es immer selbstverständlicher, darüber zu sprechen: Der Zyklus ist keine Angelegenheit, die im Verborgenen bleiben muss. Wir setzen auf Realität statt Symbole: Weg von blauen Tropfen in der Werbung, hin zu ehrlichen Gesprächen über unsere tatsächlichen Erfahrungen. Und das ist gut so! Denn unser Menstruationszyklus ist weit mehr als nur eine körperliche Funktion – er ist ein Spiegelbild unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens.
Zyklus im (normalen) Wandel
Veränderungen im Zyklus – seien es Schmerzen, Unregelmäßigkeiten oder das Ausbleiben der Periode – sind häufig erste Anzeichen dafür, dass etwas in uns aus der Balance geraten ist. „Im Idealfall dauert ein Zyklus 28 Tage bis zur Blutung, was aber nur bei ca. 20% der Frauen der Fall sein dürfte. Der Zyklus ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich und variiert auch in einem Frauenleben. Meist dauert er zwischen 24 und 35 Tagen und wird von seelischen und körperlichen Faktoren beeinflusst“, erklärt Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel & der Gender Medicine Unit. Sie setzt sich dafür ein, das Thema Zyklus zu enttabuisieren: „Selbst bei manchen Ärzt:innen herrscht aufgrund mangelnden Wissens falsche Scham und Verunsicherung.“
Dabei ist es enorm wichtig, den eigenen Körper gut zu kennen. Zyklus-Expertin Nina Holata weiß: „Der Körper sendet uns Signale, wenn etwas nicht stimmt. Deshalb ist es ratsam, die eigenen Zyklusmuster genau zu beobachten. Es ist wichtig, den eigenen Körper kennenzulernen und Veränderungen wahrzunehmen.“ Sie empfiehlt, den Zyklus mithilfe einer App zu dokumentieren – dabei nicht nur Schmerzen und Blutungen, sondern auch Stimmung, Schlafqualität, Verdauung und Energielevel zu erfassen. So lassen sich Muster erkennen und der Alltag kann besser an die individuellen Energiephasen angepasst werden. Die Burgenländerin ist seit 25 Jahren als Physiotherapeutin im Gesundheitsbereich tätig und hat sich in den letzten Jahren auf den weiblichen Körper spezialisiert. Ihre Expertise und Methoden hat sie durch weltweite Fortbildungen erworben, unter anderem bei einer 85-jährigen Maya-Großmutter aus Belize: „Dieses alte Wissen ist von unschätzbarem Wert, weil es zeigt, wie Frauen ihre Balance zurückfinden und in ihre natürliche Power und Schönheit eintauchen können.“
Den weiblichen Zyklus verstehen
In vielen dieser alten Traditionen wird der Zyklus als ein natürlicher, wertvoller Prozess angesehen, der im Einklang mit den Kräften der Natur steht. „Die Beckenregion ist unser Kraftzentrum, in dem wichtige Systeme wie Fortpflanzung, Verdauung und Stabilität miteinander verbunden sind“, erklärt Holata, „ist sie im Einklang, fühlt sich die Frau stark und gesund.“ Doch was bringt diesen empfindlichen Bereich aus dem Gleichgewicht? Und was kann hinter möglichen Symptomen stecken?
Von äußeren Faktoren bis zur mentalen Gesundheit
„Hormonelle Veränderungen, Stress, körperliche Überanstrengung, aber auch Übergewicht und verschiedene Erkrankungen können zu starken Veränderungen inklusive dem Ausbleiben der Blutung führen. Auch Infektionen oder auch Impfungen können über eine Stress-Situation oder immunologische Veränderungen vorübergehend zu starken Zyklusveränderungen führen“, so Medizinerin Kautzky-Willer.
Auch Umweltfaktoren wie Schadstoffe, Chemikalien oder Strahlung können das Gleichgewicht stören. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die mentale Gesundheit. Ängste, Sorgen und psychische Erschöpfung wirken sich ebenfalls negativ aus. Holata betont: „Frauen, die Dysbalancen erleben, sollten diese Ursachen gründlich untersuchen.“ Und bei Unregelmäßigkeiten oder starken Beschwerden unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, um mögliche Erkrankungen wie hormonelle Störungen, Myome oder Endometriose zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln.
Kautzky-Willer erklärt: „Hinter starken Blutungen kann viel stecken: Gerinnungsstörungen, Myome oder Polypen in der Gebärmutter, Diabetes und andere endokrine Störungen und entzündliche oder andere Erkrankungen der Gebärmutter. In der Prämenopause ist das auch öfter der Fall. Starke Schmerzen, auch außerhalb der Regelblutung, können bei einer Endometriose auftreten, oder bei Entzündungen oder anderen Veränderungen der Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke oder auch im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms. Das trifft eher jüngere Frauen. Egal in welchem Alter sollten diese aber immer fachärztlich abgeklärt werden.“ Das Ausbleiben der Regelblutung wiederum tritt oft bei starkem Stress oder auch beim sogenannten „Red S Syndrom“ auf. Davon sind laut Kautzky-Willer vor allem Sportlerinnen mit Energiedefizit betroffen.
Kleine Veränderungen, große Wirkung
Ein gesunder Lebensstil ist in jedem Fall die Basis zur Stabilisierung des Zyklus. Kautzky-Willer betont: „Sowohl eine länger anhaltende Mangelernährung wie auch chronische Überernährung sind ungünstig.“ Eine nährstoffreiche Kost, die Vitamine und Mineralstoffe liefert, trägt zu einem gesunden Hormonhaushalt bei. Holata empfiehlt weizenfreie Lebensmittel und frisches Gemüse. Zuckerreiche oder stark verarbeitete Lebensmittel hingegen können den Zyklus negativ beeinflussen. Holata: „Man kann die verschiedenen Zyklusphasen wunderbar mit Tees unterstützen. Frauenmantel und Schafgarbe etwa sind wertvolle Frauenkräuter.“ In stressigen Phasen oder kurz vor der Periode rät sie ergänzend Magnesium einzunehmen. „Ich lasse einmal im Jahr ein Blutbild machen, um sicherzustellen, dass mein Körper optimal versorgt ist“, sagt sie.
Innere Balance (wieder)finden
Ebenso kann es helfen, regelmäßig Entspannungstechniken in den Alltag zu integrieren, um den Stresspegel zu senken. Yoga, Meditation oder autogenes Training unterstützen den Körper dabei, zur Ruhe zu finden und das innere Gleichgewicht zu stabilisieren. Selbstfürsorge-Tools wie Salzbäder, Atemübungen oder spezielle Massagen können ebenfalls zur Regulierung des Zyklus beitragen. Bei emotionalen Schwankungen empfiehlt sie, diese bewusst auszuleben – durch Bewegung, Singen oder Gespräche mit vertrauten Menschen. Für sie ist es klar: „Der Körper strebt immer nach Balance. Es ist faszinierend, wie schnell sich Dinge oft wieder ins Gleichgewicht bringen lassen, wenn man gezielte, kleine Veränderungen vornimmt.“